Louis Kugelmann

Louis Kugelmann
 

(* 19. Februar 1828 in Lemförde, + 9. Januar 1902 in Hannover)
Sohn eines Kaufmanns und einer Kleingutsbesitzerin.

Ausbildung und Berufe
Louis Kugelmann wächst in Lemförde im Landkreis Diepholz auf, das seinerzeit ein Flecken mit 750 Einwohnern ist. Lesen und Schreiben lernt er bei der Mutter. Als Louis sechs Jahre alt ist, engagieren die Eltern einen Hauslehrer. Dies zumindest behauptet seine Tochter Franziska. Kugelmann selbst erklärt in seinem Zulassungsschreiben zum medizinischen Examen im Februar 1854, er habe drei Jahre lang die Dorfschule in Lemförde besucht. Früh lässt ihm seine Mutter Flötentöne beibringen, weil in der Umgebung kein geeigneter Klavierlehrer zu finden ist. Als Louis Kugelmann neun Jahre alt ist wird er in die Familie seiner Stiefschwester nach Preußisch-Oldendorf geschickt, wo er eine private Lehranstalt besucht. Anfang 1841 wird er zu Verwandten nach Gronau gebracht, wo er seine schulische Bildung beendet. Louis Wunsch, Arzt zu werden, lässt sich nicht sofort umsetzen, weil der Vater darauf besteht dass der Sohn den Kaufmannsberuf ergreift. In einer „Provinzstadt Westfalens“, wahrscheinlich ist dies Minden, verbringt louis Kugelmann seine Lehrzeit. Seine erste Arbeitsstelle tritt er 1845 in einem Kölner Handelshaus an. Anfang 1849 zieht Louis Kugelmann nach Minden und bereitet sich bei dem demokratischen Revolutionär Dr. Hertzberg auf das Abitur vor, das er als Externer am 19, März 1850 in Lingen besteht. Von 1850 bis 1854 studiert Kugelmann Medizin in Bonn und Göttingen, wo er promoviert wird. Nach kurzer Tätigkeit als Assistenzarzt in Berlin lässt sich Louis Kugelmann Anfang 1856 als Arzt in Hannover nieder und macht sich einen Namen als fortschrittlicher Gynäkologe.

 

Politischer Werdegang
Ob sich Louis Kugelmann schon während seiner Kölner Jahre politisch betätigt, ist nicht erwiesen. Denkbar wäre es, auch wenn Kugelmanns eigene Einlassung, „seit ich denken gelernt habe, war ich mit ganzem Herzen den Bestrebungen der Arbeiter beigesellt“, ein wenig selbstgefällig klingt. Verbürgt allerdings ist, dass sich Louis Kugelmann im Revolutionsjahr 1848 im Düsseldorfer Arbeiterverein engagiert und hernach als Mitglied im „Bund der Kommunisten“ unter polizeiliche Beobachtung fällt. Er gilt als „Demokrat“ und verliert nach dem Eingreifen des Hannoverschen Generalpolizeidirektors Karl Georg Ludwig Wermuth seinen Job als Betriebsarzt bei der mechanischen Weberei im damals eigenständigen Linden. Aufgrund seiner langjährigen Bekanntschaft mit Bertha Markheim kann Kugelmann Kontakt zu Karl Marx in London aufnehmen.

1867 wird er Delegierter zum zweiten Kongress der Internationalen, der vom 2. bis zum 8. September in Lausanne stattfindet. Zu dieser Zeit steht Kugelmann in Kontakt mit Friedrich Engels, Ferdinand Freiligrath und Wilhelm Liebknecht. Nur in Hannover hat er wenige politische Freunde, da der Arbeiterbildungsverein noch sehr bürgerlich geprägt ist und Kugelmann mit seinen „marxistischen“ Auffassungen ein Außenseiter ist. Am 16. April 1867 kommt Karl Marx, aus Hamburg anreisend, nach Hannover. Es ist ein Arbeitsaufenthalt, denn Marx wartet auf die Korrekturbögen zum ersten Band des „Kapital“. Kugelmann beteiligt sich an dieser Arbeit und überzeugt Marx einige Änderungen vorzunehmen. Nach dem Erscheinen des ersten Bandes des „Kapital“ wird Louis Kugelmann zum wichtigsten Propagandisten des bahnbrechenden Werkes in deutschen Landen und beeinflusst so den Eisenacher Parteitag von 1869.

Am 18. September 1869 kommt Karl Marx zum zweiten Mal nach Hannover, in Begleitung seiner Tochter Jenny. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen der Freiheitskampf der Iren und die Weiterentwicklung der Arbeiterentwicklung. Außerdem kümmert sich Louis Kugelmann um Marxens labilen Gesundheitszustand. Ein Treffen zwischen Karl Marx und Wilhelm Liebknecht, das Kugelmann avisiert hatte, kommt nicht zustande, weil Liebknecht mangels Immunitätsschutz preußisches Staatsgebiet nicht betreten konnte.

Mit Datum vom 10. August 1874 erreicht Louis Kugelmann ein Brief aus England, mit dem Karl Marx ankündigt: „Ich kann nicht von hier abreisen vor dem 15. August (Sonnabend) und werde wohl 4 Tage bis zum Bestimmungsort brauchen, da ich Tussy nicht zu zu viel anstrengen darf.“ Der Bestimmungsort ist Karlsbad, wo sich Marx auf Friedrich Engels Anraten einer Kur unterziehen soll. Tussy ist der Spitzname von Marxens Tochter Eleanor, die ebenfalls kränkelt. Nach 14 Tagen schreibt der Privatier Charles Marx an seinen lieben Fred Engels, dass ihm Kugelmann auf den Geist geht. „Dieser Mensch ennuyiert mich mit seinen Gemütsquengeleien - oder Lümmeleien -, womit er sich und seiner Familie grundlos das Leben verbittert.“

Nach dem Kuraufenthalt in Karlsbad gibt es keine weitere nennenswerte Korrespondenz zwischen Louis Kugelmann und Karl Marx. Kugelmann bleibt aber in Kontakt mit Friedrich Engels und befreundet sich als „kleine graue Eminenz“ mit den führenden Sozialdemokraten der 1890er Jahre. Besonders eng ist sein Kontakt zum Berliner SPD-Vorsitzenden Paul Singer. Louis Kugelmann bleibt zeitlebens Marxist und wettert gegen Bernstein und andere Revisionisten. Als die SPD ihren Reichsparteitag im Oktober 1899 in Hannover abhält, nimmt Louis Kugelmann regen Anteil an den Debatten. August Bebel, Wilhelm Liebknecht und Karl Kautsky sind Gäste in Kugelmanns Haus. Kautsky zeigt er die Briefe, die er von Karl Marx erhalten hat. Wahrscheinlich nach dem Tode Wilhelm Liebknechts übergibt Louis Kugelmann die Briefe an Karl Kautsky, verbunden mit der Bitte, diese alsbald zu veröffentlichen. Nach längerer Krankheit, die auch die Aufgabe seines Berufes bedingt, stirbt Louis Kugelmann am 9. Januar 1902 in Hannover.

Erinnerungsort in Hannover

  • Louis Kugelmanns Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof "An der Strangriede" in Hannovers Nordstadt.

von Lothar Pollähne


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