Georg Lindemann

(* 25. Juni 1885 in Hannover, + 29. Oktober 1961 in Hannover)

Ausbildung, Beruf und politische Laufbahn

Georg Lindemann wurde als Sohn eines Buchhändlers in Hannover geboren. Er machte sein Abitur am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium und studierte im Anschluss zunächst zwischen 1904 und 1907 Rechts- und Staatswissenschaften in Marburg und Göttingen. Am 6. Juli 1912 legte er in Berlin die große juristische Staatsprüfung ab. Danach kam er wieder zurück in seine Heimatstadt Hannover und ließ sich als Rechtsanwalt nieder, ab dem 1. Januar 1913 in einer gemeinsamen Kanzlei mit Georg Lenzberg, der später für die DDP Kommunalpolitik machte, und Paul Siegel, der als Rechtsanwalt später nach 1945 am Wiederaufbau des niedersächsischen Justizwesens mitwirkte und dafür das Große Bundesverdienstkreuz erhielt.

Lindemann nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Im November 1918 wurde er in den Soldatenrat beim Generalkommando, dann in den zentralen hannoverschen Arbeiter- und Soldatenrat gewählt. Am 20. Januar 1919 trat er als juristischer Hilfsarbeiter in die hannoversche Stadtverwaltung ein. Schon ein halbes Jahr später wurde er am 4. Juni 1919 zum besoldeten Senator Hannovers für Wirtschaft und Ernährung, das Marktwesen und die städtischen Grundstücke und Güter gewählt.

Gleich darauf, am 1. Juli 1919, folgte sein Eintritt in die SPD. In der Zeit der Weimarer Republik war er der einzige hauptamtliche Senator in Hannover, der zur SPD gehörte. 1929 fuhr die SPD in Hannover bei den Kommunalwahlen ihr bis dato bestes Ergebnis mit 48,6 % der Stimmen ein. Das sorgte dafür, dass die SPD den Missstand, dass sich dieses deutliche Ergebnis in der Stadtverwaltung nicht widerspiegelte, zum Anlass nahm, den sogenannten „Senatorenstreit“ loszubrechen, indem man die seit längerem vakanten Stellen des 2. Bürgermeisters und dreier Senatoren in einer Sitzung des Bürgervorsteherkollegiums durch eine Wahl nachbesetzte, ohne jedoch das Vorschlagsrecht des Magistraten zu berücksichtigen. Dadurch wurde Lindemann am 14. Juni 1930 schließlich zum 2. Bürgermeister Hannovers gewählt.

Durch das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, das die Nazis am 7. April 1933 erlassen hatten, um ihre politischen Gegner aus den Verwaltungen zu vertreiben, war Lindemann als einziges Magistratsmitglied in Hannover betroffen und wurde zum 1. August 1933 aus dem Dienst entlassen. Die Entlassung bedeutete gleichzeitig auch eine Aberkennung von Pensionsansprüchen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Lindemann unter britischer Besatzung am 7. Mai 1945 zum Bürgermeister ernannt, am 9. September 1947 unter Berufung auf das Beamtenverhältnis zum Stadtdirektor für Wirtschaft, Ernährung und Kultur. Besonders in der Kultur machte er sich um den Wiederaufbau der hannoverschen und deutschen Theaterszene verdient, wenngleich sein Ansatz lautete: „Keine Experimente und lebensfremde literarische Spekulation.“

Später erhielt Lindemann auch die Aufgaben „Gesundheit und Soziales“ als Stadtdirektor. Er bekleidete zahlreiche Ehrenämter und Aufsichtsratsmandate.

 

Erinnerungsort in Hannover

  • 1962 wurde die nach ihm benannte Lindemannallee im hannoverschen Stadtteil Bult angelegt.

von Lars Kelich


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